Sommerfest, feste Segeln und feste weiter feiern. Ungefähr so ließ sich der Plan anlässlich der 25-jährigen Jubiläums der Fun-Regatta zusammenfassen. Klingt eigentlich gut, aber jeder Plan hat ja so seine Tücken…
[Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel sollte früher veröffentlicht werden, war dann aber in den Tiefen des Rheins verloren gegangen. Jetzt bei Niedrigwasser wurde er wieder sichtbar. Sorry für die Verspätung!]
Sommerfest auf der Suche nach Sommer
Zugegeben, so richtig sommerlich war es an besagtem Freitagabend im Juni noch nicht (die Temperaturen waren noch mit den Vorbereitungen beschäftigt, sich erst für die Hitzewelle zum Monatsende zusammenzurotten). Aber trotz frischem Wind und gelegentlichem Tropfen von oben kamen rund 200 Gäste auf das Clubgelände am Rhein. Der mobile Pizzabäcker und die Clubhausgastronomie lieferten Wärmendes für den Magen, der Weinstand und die Clubhaustheke Kühlendes für den Hals. Den idealerweise ein cooles Halstuch wärmte, das sich manch einer noch schnell von Bord geholt hatte. Und damit zumindest das äußere trocken blieb, brauchte es gelegentlich leichte Fluchtbewegungen unter das Vordach. War nicht exakt so geplant, hat aber funktioniert.
Zumal der Wallufer Sänger und Gitarrist „Pasi der Pogo“ auf seinem Podest an der Geländekante gut geschützt (vor Regen von oben und Nilgänsen von unten) mit der passenden Musik aus unterschiedlichen Stilrichtungen beste Stimmung verbreitete. Zwischendurch gab es noch eine kurze Begrüßung durch den SCR-Vorsitzenden Alex Cross, die Präsentation der kürzlich erneut verliehenen Umweltauszeichnung „Blaue Flagge“ für erstklassiges Umweltmanagement und natürlich die Steuermannsbesprechung für den Folgetag. Ansonsten war Feiern angesagt. Das beherrschen Segler dem Vernehmen nach ja meist ziemlich gut …
Fun-Regatta mit einer Extraportion Fun
Bereits zum 25. Mal fand am Samstag die Regatta von Walluf nach Rüdesheim statt. Fun-Regatta bedeutet auch in diesem Jahr: Keine feste Startzeit, kein Gedrängel an der Startlinie und kein Drama mit Flaggen. Jede Crew konnte mit ihrem Schiff in einem Startfenster zwischen 14:00 und 14:30 Uhr frei starten. Die Zeit wurde individuell genommen und mit der persönlichen Zielzeit verrechnet. Diesen Plan fanden insgesamt 40 Segelboote gut, die sich zwischen Schierstein und Walluf eingefunden hatten und begierig auf den Startschuss warteten.
Ebenfalls im Plan war Westwind angesagt, wenn auch durchaus kräftig und gelegentlich außerplanmäßig heftig. Immerhin der Sonnenschein stimmte! Kaiserwetter und Wind für drei Kaiser zusammen… Passend dazu waren diesmal die Herrscher der örtlichen Politik vor Ort. Darunter Bürgermeister Nicolaos Stavridis sowie mehrere Fraktionsvorsitzende der Wallufer Parteien. Und nicht wenige waren dabei zum ersten mal an Bord eines Segelboots — wenngleich unter den Fittichen von erfahrenen Skippern und natürlich mit einer passenden Rettungsweste ausgestattet.
Letztere wurde zwar nicht gebraucht, aber Sicherheit geht vor. Zumal die Bedingungen den Crews einiges abverlangten; wenngleich es nicht ganz so windig war wie bei der Rheinwoche im Vorjahr, so war es doch vor allem böig und (Wind-gegen-Strom-bedingt) wellig. Der Rhein zeigte, was er draufhat. Eine gute Gelegenheit um Gischt ins Gesicht und die Gäste erst auf die hohe Kante und dann in Bewegung zu bekommen. Schließlich waren auf dem Kreuzkurz nach Rüdesheim mindestens 60 Wenden und dazwischen viiiiiiiiiieeeeeel Schräglage angesagt. Alles Klar zur Wende, Position wechseln… und gleich wieder… und noch ein paar Dutzend mal. Und bitte nicht vergessen, die Schot rechtzeitig zu lösen, sonst kommt die Wasseroberfläche schnell nahe. Was für die erfahrenen Segler eine mit Geschick und Können zu meisternde Herausforderung war, war für die illustren Gäste…
„…ein unglaubliches Erlebnis, es hat sehr viel Spaß gemacht“, so fasste Bürgermeister Stavridis seine erste Segelregatta zusammen, die er mit seiner Crew auf dem fünften Platz beendete. Auch Dr. Richard Reuter, Fraktionsvorsitzender der BVW, sprach von seinem „besten Ritt auf dem Rhein“. In einer Dankesmail schrieb Niko Sidiropoulos (FDP): „Es hat riesig Spaß gemacht – und ich weiß jetzt, warum das Segeln ein Sport ist.“
In der Tat, diese Fun Regatta bot jede Menge Abenteuer. Schnell, wild, schräg! Die ersten Schiffe erreichten bereits nach weniger als zwei Stunden den Hafen von Rüdesheim.
Feiern bis nach Feierabend
Nach dem Zieldurchgang wurde in Rüdesheim gemeinsam gegessen und gefeiert. Sofern man bei einsetzendem Niedrigwasser in den Hafen kam. Dazu hatten Birgit Flurer und ihr Team vom RYC kräftig aufgefahren. Kulinarisch und musikalisch. Bei der anschließenden Siegerehrung wurde neben zahlreichen Preisen auch besondere Leistungen gewürdigt: Die jüngste Steuerfrau war Mara Steg, die Crew mit der weitesten Anreise kam vom Bodensee, und auch der Erfinder (oder besser der „Grund”) der FUN-Regatta, Jürgen Grund, wurde geehrt. Den Sieg der Regatta sicherte sich Markus Courtial vom SCR mit seinem Boot „Weißherbst“. Und für alle gab’s Flüssiges, Lustiges oder Überflüssiges vom dick gefüllten Gabentisch.
Und etwas Tränen gab es dann auch noch — na fast: Denn Regattaleiter Uli Rosskopf übergibt den Staffelstab. Nach drei großen Rheinwochen mit jeweils über 100 gestarteten Schiffen sowie zahlreichen weiteren Regatten in unterschiedlichsten Formaten hat Uli Rosskopf, seine ehrenamtliche Tätigkeit als Organisations- und Regattaleiter mit der erfolgreichen FUN-Regatta beendet. „Es war mir eine große Ehre, über viele Jahre die Regatten in unserer Region unterstützen zu dürfen,“ so der zweite Vorsitzend des SCR; „Ich freue mich, wenn jüngere Segler diese Aufgabe übernehmen und die Veranstaltungen weiterentwickeln. Natürlich stehe ich weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung – freue mich aber auch darauf, künftig wieder häufiger selbst als Teilnehmer Regatten zu genießen.“
Dem war nichts mehr hinzuzufügen. Zeit zum Feiern — und irgendwann nächsten Tag ein wenig Wind für den Heimweg zu erwischen. Doch das ist eine andere Geschichte…

