Es geht wieder los! Pünktlich zum Saisonstart im Rheingau trafen sich fast zwei Dutzend Boote in Walluf zur alljährlichen Frühjahrsregatta. Nach einem Jahr Pause (wegen des Großereignisses Rheinwoche in 2025) war es diesmal wieder um so aufregender.
Westwind, wohltemperiert!
Gerade rechtzeitig nach der ersten Startverschiebung (Gelegenheit um eine Starttonne nochmal auf Zack zu bringen) kam der Wind aus West mit 3-4. Gelegentlich darunter, gelegentlich darüber, aber ab dem ersten Lauf immer gut segelbar. Genau so, wie der Rheinsegler es vor heimischer Kulisse liebt. Die Touristikbranche und der Heimatverband Eltviller Rheingucker hatten leider nichts zu davon, denn der Kurs war diesmal vor Budenheim fernab von Handys und neugierigen Blicken der Ufertouristen abgesteckt. Dafür auch bei leicht südlichen und nördlichen Drehern immer gut “beweht”, so dass prima gesegelt werden konnte.
Die Herausforderungen und Hindernisse waren nach der vorherigen Einweisung von Alex Cross auf der Clubhausterrasse bekannt: Nicht die Starttonne mitnehmen, die Zieltonne auch nicht und schon gar nicht nicht in den Ankerleinen der beiden gelben Schönheiten hängen bleiben. Und natürlich nicht das Startschiff küssen.
Segler, wohl temperamentvoll
Segler sind nette Menschen. Wer schon mal hilfesuchend mit der Festmacherleine oder einem widerspenstigen Stück Ausrüstung zu kämpfen hatte, weiß, wie hilfsbereit die Segler-Community ist. Selten trifft man auf und an Stegen, Clubhäusern und Gewässern in der Heimat oder fernab unfreundliche Segler oder gar mürrische Gestalten. Kaum ein Segler, der nicht gerne in bester Kameradschaft seinen Nachbarn hilfreich zur Seite springt.
Es sei denn…. es ist… Regattaaaaaaaaaaaa!
Dann mutiert manch ein Exemplar dieses freundlichen Menschenschlags zu einem wilden Gesellen der keine Freunde mehr kennt. Dementsprechend ging es ab Runde eins auf dem Rhein ordentlich zur Sache. Das Feld hatte es in sich. Die üblichen J- und VX-Verdächtigen waren genau so vertreten wie scharfe Laser, stürmische Tempests, oder klassische H-Boote und Dehlyas. Dazu ein par freundliche Drachen, Haie und Wale. Was die Rheinfauna eben so hergibt. Eine bunte Mischung ganz unterschiedlicher Bootstypen mit verschiedensten Kurspräferenzen. Lieber Gennaker-Halsen, Vormwind-Schmetterling oder klassisch-kompliziert mit Spinnaker und Baum? Am Wind lieber schräg oder ganz schräg? Mit Trapez oder lieber ohne? Gentlemansegler oder Hobbyracer?
All das musste dann auf dem Kurs erst mal sortiert werden. Gern auch untern Zuhilfenahme charmanter Fachbegriffe von Deck zu Deck. Aber merke: Das Zauberwort “Raum” hilft nicht, wenn keiner da ist! Und erst recht nicht, wenn alle es verwenden.
So stieg gelegentlich das Adrenalin, aber für viele auch der Spass. Wenngleich manch einer aus Solidarität mit dem momentan in den Boulevardmedien gehypten Wal “Timmy” gleich Wal-tyisch mit ins Wasser springen wollte. Manch anderer wollte seinem Segelfreund, statt hilfreich zur Seite zu stehen, lieber (weniger) hilfreich in die Seite fahren… Wir hoffen mal, die Klamotten sind wieder trocken, die kleinen Schrammen regelt die Versicherung und die eine am Bein die Firma Hansaplast. Am Ende waren aber alle wieder sicher in Walluf angelandet und auch die Großschiffahrt hatte nicht zu klagen. In Summe ein spannender Nachmittag mit vielen tollen Momenten.
Ergebnisse, wohlsortiert!
Gesegelt wurden über einen Zeitraum von vier Stunden in Summe fünf Rundkurse, teils mit zwei Runden, teils auch nur mit einer. Nach insgesamt sieben Kreisen um die Tonnen war zwar noch Wind übrig, aber keine Zeit mehr, also ging es zurück an den Steg und anschließend zu einem Gläschen auf die “Rheinsegler”-Terrasse. Dort gab es genug Gelegenheit, alle Manöver und Wegerechte nach einmal in Ruhe nachzubesprechen.
Ach ja, gewonnen werden musste auch. War ja Regatta. Leopold Luh und Alex Cross konnten (diesmal ganz ohne vorheriges Exceltabellen-Voodo) gegen 18:00 die Sieger verkünden: Gewonnen haben auf dem ersten Platz Jörg und Jesper Fleischer mit der “Halbtrocken”, auf dem zweiten Platz Peter Wenzel und Holger Wiegmann mit der “Lebenslust” und auf dem dritten Platz Helmut und Renate Quermann auf der “Miles & More”. (Wer alle Ergebnisse nachlesen will, kann das hier tun.)
Für die Sieger gab es kleine flüssige Geschenke, für alle anderen bunte SCR-Tassen und für die SCR-Helfer auf den Begleitbooten entsprechende Kappen. Und von Alex gab es noch eine dringende Bitte: Wenn insbesondere die Boote im hinteren Mittelfeld doch etwas mehr von den schönen bunten Spinnakern zeigen würden. Und Unterstützung hat er auch gleich angeboten. Die Schnellen helfen den langsamen. Das ist doch mal ein Clubchef!
Alex, das Angebot ist angenommen. Die kleine blaue Shark freut sich darauf, Dich und Deine Spi-Künste bei der Herbstregatta an Bord zu haben. Du wurdest sicherheitshalber schonmal gemeldet…

