Fastnet-Veteranen, starke Regatten und eine besondere Auszeichnung für den Segelclub Rheingau

Bereits im vergangenen Jahr erhielt die baltische 12er-Flotte vom British Classic Racing Club die Einladung, an der renommierten British Classic Week in Cowes teilzunehmen. Diese traditionsreiche Veranstaltung auf der Isle of Wight findet seit vielen Jahren unmittelbar vor der berühmten Cowes Week statt. Während die Cowes Week mit rund 600 teilnehmenden Yachten eine der größten Segelveranstaltungen der Welt ist, bietet die Classic Week den historischen Yachten die Bühne, die ihrer Bedeutung und ihrem einzigartigen Charakter gerecht wird.

Die Idee entsteht

Im Herbst vergangenen Jahres trafen sich beim Hamburgischen Verein Seefahrt (HVS) ehemalige Crewmitglieder aus fünf Jahrzehnten Fastnet-Race-Geschichte auf den Clubyachten des Vereins. Dort entstand spontan die Idee, mit alten Segelfreunden noch einmal gemeinsam Regattaluft im Solent zu schnuppern.

Dr. Bernard Frieling, der in den 1980er-Jahren als Skipper zehnmal an der Cowes Week und sechsmal am Fastnet Race mit der damaligen Clubyacht Hamburg X teilgenommen hatte, war sofort begeistert. Schnell stand fest: Die Regatten im Solent sollten auf unserer Anita gesegelt werden. Bernard übernahm die Rolle des Skippers, ich die des Co-Skippers.

Die Überführung nach England

Am 10. Juli 2026 trafen sich schließlich sechs Fastnet-Veteranen sowie vier weitere erfahrene Anita-Seglerinnen und -Segler zur Überführung nach Südengland. Die Reise führte zunächst durch den Nord-Ostsee-Kanal und anschließend über die Nordsee Richtung Ärmelkanal.

Dank achterlicher Winde mit teils über 20 Knoten wurde die Überfahrt zu einer sportlichen und schnellen Angelegenheit. Anita erreichte Portsmouth frühzeitig, sodass noch Zeit für einige kulturelle Höhepunkte blieb. Auf dem Programm standen unter anderem ein Besuch von Admiral Nelsons legendärem Flaggschiff HMS Victory sowie des National Motor Museum in Beaulieu.

Regattastart in Cowes

Ab dem 20. Juli begann die British Classic Week. Für die Regatta wurde die Anita-Crew noch einmal ergänzt und verjüngt.

Gleich der erste Regattatag verlief äußerst erfolgreich: Anita erreichte eine „First Ship Home“-Platzierung und die Crew durfte am Abend einen festlichen Empfang in den traditionsreichen Räumen der Royal Yacht Squadron genießen.

Besonders bemerkenswert war, dass sich einige der anwesenden Clubmitglieder noch gut an Anitas letzten Besuch in Cowes erinnerten. Dieser lag bereits 25 Jahre zurück und fand anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des America’s Cup statt. Die Erinnerungen an dieses Ereignis sind selbst heute noch lebendig. In den ehrwürdigen Räumen der Royal Yacht Squadron, die Schauplatz zahlreicher bedeutender Segelereignisse waren, hängt sogar ein Gemälde jener Regatta. Auf dem detailreichen Wimmelbild ließ sich Anita allerdings leider nicht entdecken. 😃

Sechs Tage Wettsegeln

In den folgenden fünf Tagen wurde täglich eine weitere Regatta ausgetragen. Nach gesegelter Zeit konnte sich Anita stets im Vorderfeld behaupten. Die überwiegend leichten Winde spielten allerdings den kleiner vermessenen Yachten in der Handicap-Wertung in die Karten.

Der Begeisterung und dem Einsatz der Mannschaft tat dies keinen Abbruch. Von Tag zu Tag wurden die Manöver präziser und das Zusammenspiel an Bord harmonischer. Ein besonderer Höhepunkt war der dritte Regattatag: Hier schrieb die Ausschreibung vor, dass ein weibliches Crewmitglied das Steuer übernehmen sollte. Diese Aufgabe meisterte unsere Annabelle souverän und mit großer Routine.

Elegant und schnell umrundete Anita die Tonnenkurse und präsentierte sich dabei als würdige Vertreterin des Segelclub Rheingau.

Die Needles statt „Round the Island“

Als Höhepunkt der Regattawoche war das berühmte „Round the Island Race“ vorgesehen, das die Teilnehmer unter anderem an den spektakulären Kreidefelsen der Needles vorbeiführt. Leider musste die Wettfahrt wegen Windmangels abgesagt werden.

Stattdessen wurde ein weiteres Inshore Race durchgeführt, und die Crew nutzte die Gelegenheit, die berühmten Needles per Taxi von der Landseite aus zu besuchen. So ging das Erlebnis zwar anders als geplant, aber keineswegs weniger eindrucksvoll weiter.

Sonderpreis für Anita

Bei der abschließenden Preisverleihung durfte sich Anita über eine ganz besondere Auszeichnung freuen: den „Gold Standard Vintage Authentic Award“.

Dieser Preis ist weit mehr als eine Ehrung für das Schiff selbst. Er würdigt die jahrzehntelange Arbeit des Segelclub Rheingau, der Anita mit großem Engagement authentisch erhalten und restauriert hat. Die gesamte Crew nahm die Auszeichnung mit großem Stolz entgegen.

Der Preis wird künftig einen Ehrenplatz im Clubhaus erhalten.

Abschied von Cowes

Schließlich hieß es Abschied nehmen von dem charmanten Segelort Cowes. Vieles schien dort noch genauso wie vor 40 Jahren. Lediglich das Wetter zeigte sich ungewohnt: Statt der für die Region bekannten Starkwind- und Schlechtwetterlagen sorgte eine stabile Hochdruckwetterlage für hochsommerliche Temperaturen und durchgehend sonnige Tage.

In Southampton wartete bereits die Folgecrew mit Phillip und Klaus Kaindl, die Anita über die Kanalinseln zurück nach Deutschland bringen sollte.

Fazit

Eine rundum gelungene Regattawoche, geprägt von sportlichen Herausforderungen, kameradschaftlichem Segeln, vielen Erinnerungen und einer besonderen Auszeichnung für Anita und den Segelclub Rheingau.

Cowes – wir kommen wieder! ⛵🏆